25 August 2008

Bus, Bus, Strand, Bus, Bett

How many days Bangladesh? 56


Foto des Wochenendes: Sonnenuntergang in Cox's Bazar

Wow, was für ein Wochenende. Es war lange geplant, die Pläne wurden häufig umgeworfen und am Ende kam doch wieder alles anders als gedacht.

Am Besten fange ich einmal von vorne an. Da an diesem Wochenende der Sonntag ein Feiertag war, habe ich ursprünglich geplant mit 2 Kollegen von der Arbeit gemeinsam an den berühmtesten Strand Bangladeschs zu fahren. Nach Cox’s Bazar.

Leider musste der eine Kollege zu Beginn der Woche absagen, da sich kurzfristig Familienbesuch angekündigt hatte. Hassan, mein anderer Kollege, und mussten mit dem Ticketkauf aber noch ein paar Tage warten, da die Firma Besuch aus Hongkong hatte und nicht klar war, ob wir übers Wochenende wegfahren konnten. Letztlich bekamen wir am Donnerstag das OK und so haben wir umgehend versucht einen Nachtbus am Donnerstagabend nach Cox’s Bazar zu bekommen. Da viele Bangladeschis das lange Wochenende für einen Trip ans Meer nutzen wollten, haben wir leider keinen Platz mehr bekommen.

Für Hassan kam eine Tour nur von Freitag früh bis Samstagabend nicht in Frage, von daher musste ich, wenn ich Cox’s Bazar noch sehen wollte, am kommenden Morgen aufbrechen. Anna aus den Niederlanden hat mich am Donnerstag noch angerufen und gemeint, sie würde am Freitag früh mit dem Zug dorthin aufbrechen. Richard seinerseits hatte keine Zeit, da er am Sonntag arbeiten sollte. Ich ließ mich letztlich darauf ein, und sagte Anna zu den Zug am Freitagmorgen um 07:40 Uhr nach Chittagong zu nehmen. Von dort aus würde uns dann ein Bus innerhalb von 4 Stunden ans Meer bringen. Als ich am morgen mit leichter Verspätung dann aufgestanden bin, habe ich plötzlich um 06:40 einen Anruf von Richard erhalten. Er, Leo und Laura kommen also spontan auch mit!

Also treffen wir uns noch gerade rechtzeitig am Bahnhof, doch dann erreicht uns die nächste Hiobsbotschaft. Es gibt nur noch 2 freie Tickets im gesamten Zug!!! Unser Enthusiasmus war aber nicht zu brechen und so entschieden wir uns mit dem Bus zu fahren.

Nun mache ich es kurz, wir haben einen Bus bekommen, der Fahrer ist schlimmer gefahren als ich es mir zu träumen gewagt habe und gute 12 Stunden später waren wir tatsächlich in Cox’s Bazar und konnten nur wegen der Dunkelheit das Meer noch nicht sehen.


Der Strand von Cox's Bazar

Am kommenden Morgen sind wir dann früh aufgestanden und haben uns erst einmal die Rückfahrttickets für Abend organisiert. Mit der Gewissheit einen Platz in einem Bus zu haben, lässt es sich schließlich viel leichter am Strand relaxen.

Nichts leichter als das, und mit leichter Schadenfreude haben sich Richard und ich dann auf an den Strand gemacht, da wir im Gegensatz zu den Damen ganz normal Badeshorts tragen konnten. Angekommen am Strand konnten wir unser Glück kaum fassen. Der Sand glühte, der Himmel blieb blau und es waren nur wenige Leute zu sehen. In den Berichte war immer von überfüllten Stränden die Rede, doch nichts dergleichen konnten wir feststellen.

Weitsichtig wie wir waren, haben wir uns also im Wald oberhalb des Strandes als Liegeplatz gewählt, denn in der Sonne hätten wir es keine 30 Minuten ausgehalten. Dann lockte uns natürlich unverzüglich das Wasser. Was soll ich sagen, es war wärmer als meine Dusche in Dhaka und augenscheinlich auch ziemlich sauber. In diesen Augenblicken waren alle Strapazen der Anreise vergessen und ich konnte einfach wunderbar relaxen.

Ich bin gestrandet...

Nach mehreren Stunden faulenzen musste ich trotz Schatten und Sonnencreme dennoch einen dicken Sonnenbrand feststellen. Nun stellte sich der Vorteil „oben Ohne“ sich bewegen zu dürfen auf einmal als Nachteil heraus. Richard und ich warne krebsrot und der heftige Sonnenbrand war auch nicht mehr wegzureden…

Nach einer erfrischenden Dusche haben wir uns dann aufgemacht, den Sonnenuntergang und das Abendbrot in einem Cafe am Strand zu genießen. Auch wenn die Wolken den unteren Teil des Horizonts leider verdeckt haben, so konnten wir doch einen eindrucksvollen Sonnenuntergang genießen.


Sonnenuntergang vom Restaurant "Angel Drop"

Um 21 Uhr mussten wir nach einem entspannten Strandtag dann den Heimweg antreten. Und was wirklich nicht zu ahnen war. Der Fahrer auf der Hinfahrt war noch nicht der wahre Rennfahrer. Auf der Rückfahrt habe ich es erlebt: Ein Reisebus kann tatsächlich einen Krankenwagen im Einsatz überholen! Ich war dabei! Zurück in Dhaka habe ich drei Kreuze gemacht die Busfahrten überlebt zu haben. Den verpassten Schlaf in der unruhigen Nacht habe ich dann erst einmal ausgiebig in meinem gemütlichen Bett nachgeholt…

Der Sonnenuntergang, ich konnte mich einfach nicht satt sehen


15 August 2008

Einfach mal so...

How many days Bangladesh? 49

Bisher habe ich mich ja nur zu Wort gemeldet, wenn ich unterwegs war und viele Erlebnisse gemacht habe. Heute ist dies anders, ich bin dieses Wochenende in Dhaka und werde einfach mal ein wenig faul sein.
Ich bin nun fast sieben Wochen in Bangladesch und es kommt mir schon viel länger vor. Mittlerweile habe ich gelernt mich in der Stadt vernünftig zu bewegen, nicht mehr auf der Suche nach dem Rikschafahrer meiner Wahl sofort als "Neuling" enttarnt zu werden und einfach mit der Masse mitzuschwimmen. Wahrscheinlich muss ich mich in Deutschland erst einmal wieder daran gewöhnen nicht mehr zwischen unzähligen Rikschas, CNGs und Autos durch zu huschen. So langsam kehrt also eine Art Normalität in mein Leben hier ein und das finde ich auch gar nicht schlecht. Es macht das Leben einfacher, wenn einem nicht mehr jede Begegenung neu und unbekannt vorkommt.
An das Essen hier kann ich mich wirklich gewöhnen, doch wäre mir die Ergänzung mit einigen vertrauten Speisen ab und an lieb. Es scheitert im Supermarkt nicht an den Produkten, kaufen kann man hier schließlich fast alles. Nur sind die importierten Nahrungsmittel zum Teil halt sehr teuer. In schwachen Augenblicken gönnt man sich dann schon einmal ein kleines Glas Nutella für 4 Euro oder ein kleines Stück Käse für 5 Euro. Im Verhältnis zu den Preisen anderer Lebensmittel ist das natürlich purer Wucher.
Was mir hier allerdings wirklich fehlt ist das Privatleben, wie ich es sonst gewöhnt bin. Gemütlich in Cafés sitzen, mit Freunden am Abend ein Bier trinken gehen, das sind leider Dinge, die hier nicht ohne Weiteres zu realisieren sind. Zum Einen sind die Art von Cafés so nicht zu finden, denn der Großteil des privaten Lebens der Bangladeschis spielt sich in ihren vier Wänden ab. zum Anderen ist es kaum möglich nach dem Feierabend in einen anderen Stadteil zu fahren, um dort andere Leute zu treffen. Die elenden Verkehrsstaus machen das Fortbewegen einfach unerträglich, da selbst für verhältnismäßig kurze Wege enorm viel Zeit drauf geht.
Die netten Kontakte zu meinen Kollegen, die wirklich sehr aufmerksam sind und mit denen ich immer viel Spaß habe, machen die Zeit hier aber zu einem ganz tollen Erlebnis.
Von daher freue ich mich wirklich hier zu sein, genauso freue ich mich aber auch darauf in Berlin mal wieder selber Fahrrad zu fahren und am Abend in einer Kneipe Fußball zu schauen und ein Bierchen zu trinken...

So viel für heute von mir. Bis bald


11 August 2008

Einmal Khulna und zurück…

How many days Bangladesh? 43


Das Foto des Wochenendes!

Eigentlich hatte ich geplant dieses Wochenende ganz entspannt in Dhaka zu verbringen, mir ein wenig die Stadt anzuschauen oder einmal ins Museum zu gehen. Doch dann kam der Anruf am Mittwochnachmittag: „Jan, ich bin gerad auf dem Weg zurück von Khulna nach Dhaka und werde morgen früh dort ankommen. Hast Du morgen noch einmal Lust hierher zu fahren. Ich habe viele Sehenswürdigkeiten noch nicht angeschaut und möchte hier gerne noch einmal hin!“

So stand ich plötzlich vor der Entscheidung: Ein nettes gemütliches Wochenende zu Hause, oder ein Wochenende mit zwei Nächten in Folge in einem Bus und mit folgerichtig wenig Schlaf…


Ich glaub ich steh im Wald ;-)

Na ja, man kommt ja nicht so oft im Leben nach Bangladesch, außerdem ist es immer gut tuend, dem Großstadtlärm ein wenig zu entfliehen und das Leben auf dem Land zu genießen. So kam ich also dazu, ganz spontan nach Khulna und Bagerhat zu fahren. In Bagerhats Umgebung liegen viele Moscheen in den Dörfern versteckt und es befindet sich hier zudem mit der Shait Gumbad Moschee die größte Moschee des Landes. Zusätzlich gibt es eine wunderschöne Landschaft, dörfliches Leben und einen 20 Meter hohen Hinditempel zu besichtigen.

Richard und ich machten uns also am Donnerstagabend um 23:45 auf mit dem Bus nach Khulna. Am kommenden Morgen ein wenig zerknautscht steigen wir aus dem Bus und ich habe noch immer das regelmäßige Hupen des Busfahrers im Ohr…

Glücklicherweise befindet sich direkt an unserer Ausstiegsstelle ein Hotel, in dem wir uns nach der Nacht im Bus ein wenig frisch machen können. Damit fertig mieten wir uns eine Rikscha und fahren herunter an den Fluss, den wir überqueren müssen, um zum regionalen Bustransfer nach Bagerhat zu kommen.

Das erste Mal in meiner Zeit hier werde ich also einen dieser überfüllten und total verschrammten Busse des öffentlichen Nahtransports besteigen. Richard und ich sind die ersten im Bus, entscheiden uns aber aufgrund der geringen Beinfreiheit dazu nicht nebeneinander zu sitzen. Für zwei Personen unserer Größe sind die Sitzreihen einfach nicht gemacht. Wir wussten ja noch nicht was noch kommen sollte…

Der Bus füllte sich also nach und nach und Richard und ich hatten beide bereits einen Sitzpartner als sich ein Mann im Bus weiter nach hinten kämpfte und mir die Hand schütteln wollte (ich saß eine Reihe vor Richard). Als ich ihm die Hand reiche, fängt er plötzlich an sie auf der Ober- und Unterseite zu küssen. Ehe ich bemerke wir mir geschieht, greift er auch nach meiner linken Hand und küsst diese ebenso auf beiden Seiten… Dasselbe wiederholt sich noch einmal mit Richards Händen. Geschafft dachte ich, jetzt kann ja nicht mehr viel passieren. Aber er hatte es nun darauf abgesehen neben mir zu sitzen. So versuchte er meinen Sitznachbarn zu überzeugen, sich doch auf einem anderen freien Platz zu setzen, damit er neben mir sitzen könne. Nach kurzer Diskussion gab mein Sitznachbar nach und ich hatte den Händeküsser neben mir. Leider war er nicht in der Lage ein paar englische Brocken zu verstehen und zu sprechen, von daher waren seine Konversationsversuche nur von bescheidenem Erfolg. Letztlich schlief er während der Fahrt ein lehnte sich im Schlaf immer wieder gemütlich bei mir an. Bei mehr als 30 Grad gibt es schöneres und so habe ich ihn immer wieder sanft von mir weg geschoben.

Damit nicht genug. Auf der Sitzreihe neben Richard hat sich eine Familie mit zwei kleinen Kindern hingesetzt. Plötzlich vernehmen wir ein leises quieken aus der Sitzreihe und sehen, wie der kleine Junge ein Hühnchen an den Flügeln fest hält. Es ist quasi sein Haustier, denn um es am Abend zu essen ist noch ein wenig an dem kleinen Hühnchen dran.

Na ja, auch das überstehen wir beide ganz routiniert und erreichen schließlich nach einstündiger Erlebnisfahrt Bagerhat.

Den Handküsser können wir dort so gerade abschütteln, er möchte uns anscheinend noch zu sich nach Hause einladen. Aufgrund der mangelnden Möglichkeit zum Austausch von Gedanken entscheiden wir uns aber dafür die Flucht auf eine Rikscha zu ergreifen und zur größten Moschee Bangladeschs zu fahren.

Die Shait Gumbadh Moschee

Von dort aus haben wir eine große Tour zu mehreren in der Umgebung verstreuten Moscheen gemacht und dabei neben den Bauwerken vor allen Dingen einen tollen Einblick in das ländliche Leben in Bangladesch bekommen. Wir sahen einfachste Hütten und man konnte sich vorstellen eine wahre Zeitreise unternommen zu haben. Die Leute hier leben von dem, was die Natur ihnen gibt. Das Holz zum Kochen wird hier noch genauso gesammelt, wie das Gemüse selber angebaut wird.

Ein Dorf in der Umgebung von Bagerhat

Die Hitze an diesem Freitag war unbeschreiblich. Ich bin deshalb, genauso wie viele Bangaldeschis den ganzen Tag mit meinem Regenschirm als Sonnenschirm herumgelaufen. Auf unserem Spaziergang durch eine Stadt sind wir dann an einem Zirkuszelt vorbei gekommen und wenig später standen dann auf einmal zwei Elefanten 5 Meter von uns entfernt. Sie haben Äste von Bananenbäumen zerlegt und hatten wohl ein wenig Auslauf.

Elefanten im Hintergrund und ich schütze mich vor der Sonne

Nachdem wir uns ein Mittagessen in einem mehr oder weniger vertrauenserweckendem Lokal gegönnt haben, und dort eine ganze Weile nach kühler Luft geschnappt haben, konnten wir uns noch einmal aufraffen und haben die nächste Rikscha genommen um zum Hinditempel zu fahren.

Der Hinditempel

Angekommen an diesem abgelegenen Ort fanden wir dort ein paar Kinder vor, die vor dem Tempel Fußball spielten. Nichts leichter als das dachten wir und haben gleich mal ein wenig mit den Kleinen gespielt. Es ist wirklich faszinieren, das selbst an den entlegensten Winkeln dieser Erde die Leute Fußballer wie Michael Ballack kennen… Ob er sich seiner Bekanntheit wohl bewusst ist?

Eine etwas einfachere Rikscha

Nach der kurzen Visite dort machten wir uns wieder auf nach Bagerhat von wo aus wir zurück nach Khulna zurück fuhren. Im Bus saß wieder ein kleiner Junge mit einem Hähnchen aber immerhin kein Händeküsser mehr.

Bevor unserer Nachtbus gen Dhaka startete gönnten wir uns noch ein Abendbrot in einem Lokal, in dem wir einen Teil der Eröffnungsfeier der olympischen Spiele sehen konnten. Leider haben wir den Augenblick der deutschen Mannschaft und der Mannschaft von Bangladesch verpasst.

Am nächsten morgen erreichten wir gegen 7 Uhr Dhaka ich bin erst einmal in einen langen Schlaf bis um 14 Uhr gefallen. So wurde aus einem zunächst entspannt angedachten Wochenende auf einmal ein ziemlich ereignisreiches.

05 August 2008

Ein Wochenende auf dem Land - Srimangal

How many days in Bangladesh? 38


Highlight des Wochenendtripps: Ich fahre einmal selbst die Rikscha

Am vergangenen Donnerstag machte ich mich mit Richard, einem Praktikanten vom Goetheinstitut in Dhaka auf den Weg nach Srimangal im Nordosten Bangladeschs. Bereits am Morgen waren 2 Freunde von uns vorgefahren und haben das Hotel für uns dort organisiert. Um 22:00 haben Richard und ich dann den Nachtzug von Dhaka nach Srimangal genommen. Doch unseren Zug zu finden, stellte sich leider als ein wenig komplizierter als erwartet heraus. Wir wusste, das wir an Gleis 5 abfahren sollten, doch leider waren die Gleise dann nicht mehr mit arabischen Zahlen beschriftet, sondern mit den bengalischen Zahlen. Da wir ja nicht auf den Kopf gefallen sind, haben wir anhand einer 5 Taka Banknote das richtige Gleis ausgemacht. Dort stand auch ein Zug, und er sah insgesamt so aus, wie man sich eine 2. Klasse hier in Bangladesch vorstellt. Wir wanderten den Zug ab, doch insgesamt wirkte er und das Gleis recht unbelebt. Nach einigem Herumstehen und Hin- und Herwenden des Tickets kam uns dann ein Bangladeschi zu Hilfe, der uns erklärte, dass der Zug heute von einem anderen Gleis aus abfährt (Erinnert doch irgendwie an die DB Werbung...).

Der für Srimangal berühmte Five Colour Tea

Nichts leichter als das. Ab über die Gleise zum anderen Bahnsteig. Doch nun das nächste Problem: Wie den richtigen Waggon finden. Wir waren es Leid und haben uns erst einmal in einen x-beliebigen Waggon gesetzt, in der Hoffnung, dass der Zug nicht so voll wird. Die ersten Meter konnten wir dann auch auf unseren Plätzen so zurücklegen. Es war überraschenderweise sehr komfortabel und wir hatten zudem einen eigenen Ventilator über unserem Kopf. Doch diesen Platz mussten wir leider nach der ersten Kontrolle durch den Schaffner räumen und in einen anderen Waggon wechseln. Auch dieser stellte sich als sehr akzeptabel heraus und wir konnten unsere 5 ½ stündige Zugfahrt beginnen.

Das unfassbare Grün der Reisfelder

Auf der Fahrt passierten wir viele Bahnhöfe, auf denen trotz der Uhrzeit noch immer das Leben tobte. Durchs Fenster konnten Früchte, Säfte und Keckse gekauft werden. Doch wir waren nicht hungrig und wir brauchten unsere Trinkvorräte noch nicht auffüllen.


Srimangal am Tag: Blick vom Dach unseres Hotels

So eine Zugfahrt gibt aber auch einen Einblick in die Schattenseiten des Lebens hier in Bangladesch. Wir sahen erschreckend viele Menschen, die einfach so auf den Bahnsteigen der Ortschaften schliefen und dort ungeschützt und ohne irgendwelches Hab und Gut auf den kommenden Tag warteten. Bei der Fahrt aus Dhaka heraus befanden sich zudem einige Slums, in denen die Leute unter sehr ärmlichen Bedingungen leben. Vor allem während des Monsuns bieten die Wellblechhütten und Zelte kaum Schutz vor den widrigen Wetterbedingungen.

Nach einer recht komfortablen aber schlaflosen Fahrt kamen wir um 03:30 am Bahnhof in Srimangal an. Anna hatte uns bereits die Unterkunft organisiert und in unserem Reiseführer war der Weg beschrieben. Nach kurzem Fußmarsch und einer kurzen Verirrung haben wir unsere Bleibe für die nächsten 3 Tage gefunden und konnten um 4 Uhr endlich schlafen. Zuvor durfte ich zu meinem Glück noch feststellen, dass die Toilette unserer Unterkunft leider keine westliche ist. Wie sollte sie auch, hier verirren sich so gut wie nie Touristen hin… Voller Tatendrang hat Anna bereits für den nächsten Morgen den ersten Programmpunkt um 09:30 Uhr angesetzt. Wir haben uns zu viert ein Auto mit Fahrer gemietet, der uns zu einem Wasserfall 80 km entfernt von Srimangal fahren sollte. Wochenendausflüge sind nicht nicht zum Erholen gedacht war die eindeutige Message von ihr und so kämpften Richard und ich uns nach wenigen Stunden Schlaf aus unserem Bett um ein bangladeschi Frühstück zu uns zu nehmen (Gemüse mit Brot und Dal). Für unseren Geschmack recht deftig, aber für die kommenden drei Tage sahen eigentlich alle unseren Mahlzeiten so aus. Die Variation zwischen Frühstück und Abendbrot sind hier anscheinend nicht so groß. Damit will ich nicht sagen, dass es nicht lecker geschmeckt hat, dennoch war bin ich nach dem Wochenende auch wieder froh, andere Speisen zur Verfügung zu haben.


Ich mit meiner Lieblingsfrucht: Mango

Unsere fast 2-stündige Autofahrt führte uns durch sehr schöne und insbesondere faszinierend grüne Landschaft. Angekommen in Madhabkunda haben wir uns auf dem Weg zum Wasserfall gemacht und gleich den ersten Abstecher einen Berg hinauf gemacht. Von dort aus hatten wir eine tolle Aussicht ins weite, grüne Land.

Der Aufstieg hat sich wahrhaft gelohnt

Der Wasserfall von Madhabkunda

Nach kurzer Rast ging es nun aber endgültig zum Wasserfall, an dem wir eine ganze Menge tobender und planschender Bangladeschis vorfanden. Nach kurzem Abchecken der Lage haben wir uns dann auch dazu hinreißen lassen, uns in den See vor dem Wasserfall zu stürzen. Wir mit unseren weißen Körpern waren natürlich die Sensation und so durften wir für einige Fotos Model stehen. Neben den tobenden Menschen im Wasser gab es auch ein Pferd, das immer wieder durchs Wasser gestapft ist, kurz nachdem wir das Wasser verlassen hatten, erledigte dieses dann auch noch sein Geschäft darin… Ein Glück waren wir bereits raus ;-)

Traditionelle Landwirtschaft

Mitten in der Teeplantage

Am Samstag haben wir uns Fahrräder geliehen und sind durch die berühmten Teeplantagen rund um Srimangal herum gefahren. Das Ziel unserer Tour stellte das Lowacherra Forrest Reserve dar, ein kleiner Regenwald der unter Schutz steht. Auf dem Weg dorthin sind wir bereits mit dem Fahrrad an den Rändern des Regenwaldes entlanggefahren und konnten an einer Stelle beeindruckend lautes Affengeschrei hören, sehen konnten wir sie allerdings nicht. Auf unserer 1 ½ stündigen Wanderung durch den Park konnten wir dann zwar noch kurzzeitig Affen sehen, doch es gelang uns nicht in der Kürze der Zeit Fotos von Ihnen zu schießen.

Das Ende unserer Urwaldwanderung...

Am Abend sind wir dann noch zufälligerweise auf den Markt von Srimangal geschlendert. Als Richard und Anna dann ihre Digicams herausholten waren wir die absoluten Stars des Marktes. Wir wurden von Stand zu Stand geführt und von unseren „Guides“ förmlich auf alle schönen zu fotografierenden Dinge hingewiesen. Die Leute drängelten sich quasi auf die Bilder und jeder versuchte eine kurze Unterhaltung mit uns zu starten. Ein Standbesitzer lud uns sogar zu einem Tee ein und wir machten es uns vor seinem Stand auf einer Bank bequem. Diese Szenerie wurde selbstverständlich aufmerksam von mindestens 30 umherstehenden Bangladeschis aufmerksam begutachtet. :-

Am dritten Tag, dem Tag unserer Abreise haben wir noch einen Abstecher zu den Madabpore Tea Gardens gemacht, da sich auf deren Gelände gleichzeitig ein schöner See befindet. Gegen 17 Uhr hieß es dann aber ab in den Zug, der uns wieder zurück ins völlig andere Dhaka bringen sollte.

See in den Madabpore Tea Gardens

27 Juli 2008

Die Erde bebt und Jan verschläfts

How many days in Bangladesh? 30

Gestern höre ich die Nachrichten über das dritte Erbeben in Japan innerhalb von 2 Monaten und überlege mir, dass ich selbst noch nie ein Erdbeben erlebt habe. Als ob ich eine Vorahnung gehabt hätte, bebte heute Nacht die Erde in Dhaka.
Das Epizentrum lag 238 km nordöstlich von Dhaka und das Beben hatte eine Stärke von 5,6 auf der Richter Skala.

Wie ihr merkt geht es mir gut, mir ging es gestern Nacht sogar so gut, dass ich das gesamte Beben verschlafen habe. Es geschah um 00:52, so ziemlich 30 Minuten nachdem ich eingeschlafen bin. Chance vertan, ich habe also noch immer kein Erbeben in meinem Leben erlebt.


Das Beben muss auf jeden Fall gut in Dhaka zu spüren gewesen sein, immerhin sind mindestens 14 Studenten auf dem Campus vor Schreck aus ihren Häusern gesprungen und haben sich dabei verletzt. Insgesamt scheinen die Schäden und die Anzahl der Verletzten sehr in Grenzen zu halten. In der Printausgabe der Zeitung steht ein kleiner Artikel über die Geschehnisse, online sind allerdings keine weiteren Informationen zu finden.

Also, allet juht jejangen :-)

Liebe Grüße aus Dhaka
Jan

26 Juli 2008

Lecker Brot...


How many days in Bangladesh? 28

Es ist Freitag und ich habe nach einer anstrengenden Arbeitswoche endlich einmal Zeit auszuschlafen. Diese Woche bin ich an drei Tage am Stück in den Industriegürtel von Dhaka gefahren. Dies bedeutete jeden Tag mehr als 3 Stunden im Auto sitzen, Verkehrschaos um mich herum und immer wieder den Wechsel zwischen klimatisiertem Auto und der Hitze draußen.

Der Monsun schwächelt hier gerade ein wenig. Was sich zunächst positiv anhört, hat allerdings auch seine Kehrseite: Die Luft wird staubiger und es kühlt sich nicht mehr regelmäßig ab. Dafür stabilisiert sich die Luftfeuchtigkeit. Was ich persönlich nun besser finde, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Die Zeit wird es zeigen…


Lecker Brot :-)

Nach einem ausgiebigen Schlaf mit enstpannter Lektüre kämpfte ich mich gegen 11 Uhr an den Frühstückstisch. Meine Mitbewohnerin Irmgard gelang an diesem morgen eine sehr erfreuliche Überraschung. Sie hatte gestern irgendwo eine Bäckerei gefunden, in der es nahzu festes Brot gab. Wir stürzten uns auf die Brotscheiben und genossen jeden Bissen. Nach nunmehr vier Wochen Toastbrot war ich total glücklich mal wieder in ein nahezu normales Brot zu essen. Nachdem wir nahezu 1 ½ Stunden gemütlich mit Brot und Tee verbracht hatten, beschloss ich mich auf den Weg in einen Park in Gulshan zu machen. An diesem Park fahre ich jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit vorbei, nun wollte ich die Gelegenheit nutzen, um ihn mir von näherem anzuschauen.

Da die Stadt am Freitag wie ausgestorben wirkt, beschloss ich bis zum Park zu laufen. Rikschafahrer fuhren staunend an mir vorbei und deren Passagiere wunderten sich ebenso. Wieso kommt jemand auf die Idee selber zu laufen? Ich genoss die Möglichkeit mich auf relativ leeren Straßen bewegen zu können, zudem ist der Weg bis zum Park nicht übermäßig weit. Nach ca. 15 Minuten erreichte ich den Eingang zum Park und machte mich auf ihn zu erkunden. Was ich hier sah war mir neu: Pärchen die auf Bänken saßen und sich unterhielten, Menschen die zur Erholung einfach im Park herum schlenderten. So ließ ich mich anstecken und entdeckte ebenso die Gemütlichkeit dieses Ortes. Das Grün der Sträucher, Bäume und Wiesen hier ist wirklich beeindruckend. Zudem befand sich in der Mitte des Parks kleiner See. Auf einer der angrenzenden Bänke ließ ich mich nieder um im Schatten eines Baumes diesen Anblick zu genießen. Später holte ich mein Buch heraus und konnte in der Öffentlichkeit ungestört lesen. Das findet man nicht oft hier.


Blick auf den kleinen See im Gulshan Park

Nach etwas mehr als einer Stunde habe ich mich auf den Weg nach Hause gemacht. Auf dem Weg konnte ich es nicht lassen beim Obsthändler vorbeizugehen. Meine Lieblingsfrucht die Mango wurde zu Hause langsam knapp, die Bestände mussten mal wieder aufgefüllt werden…



Blühende Blumen im Park

19 Juli 2008

Trip nach Old Dhaka

How many days Bangladesh? 21

Mein erster freier Tag den ich ohne gesundheitliche Probleme in Angriff nehmen kann :-)

Andrea und ich haben uns daher entschlossen uns auf den Weg nach Old Dhaka zu machen, um auf dem Buringanga River eine kleine Bootstour zu machen. Es ist Freitag und die Stadt ist bedeutend ruhiger als an den übrigen Wochentagen. Den Weg in die Innenstadt können wir daher ohne Stau und innerhalb der Hälfte der an Arbeitstagen benötigten Zeit zurücklegen, wirklich angenehm.

Am Sadarghat (Bootshaltestelle) angekommen werden wir auch gleich beim Aussteigen aus unserer CNG von einem Toursitenführer angesprochen. Touristenführer ist ein wenig geschummelt, denn eigentlich verirren sich, gerade in dieser Jahreszeit, keine Touristen nach Bangladesh. Die Infrastruktur des Landes ist nicht bereit für touristische Zwecke und die Visabestimmungen sind derart kompliziert, so dass sich nur wenige Touris hierher Verirren. Wir sind auf jeden Fall sehr froh gleich jemanden an unserer Seite zu haben, der uns durch das Gewirr an Menschen am Sadarghat leitet und uns mit seinem Boot wundervolle Eindrücke von Old Dhaka ermöglicht.

Das Treiben an den Ufern ist wirklich sehr beeindruckend. Es wird gehandelt mit Früchten und Gemüse, die Leute waschen sich im Buriganga River und unfassbar viele Boote setzen zwischen den beiden Ufern über. Zudem kreuzen uns viele Boote, denen wir ohne weiteres die Seetauglichkeit absprechen würden. Besonders beeindruckt haben mich zwei Boote, die wohl Erde geladen haben. Sie liegen, wie das Foto zeigt, derart tief im Wasser, das der geneigte Beobachter jede Sekunde auf den Untergang des Gefährts wartet…



Das scheinbar überbeladene Boot im Buriganga River


Ich auf dem Buriganga

Nach dieser spannenden Erfahrung haben Andrea und ich uns ins Straßenleben von Old Dhaka gestürzt. Von verschiedenen Seiten wurde uns die Armenian Church empfohlen. Also baten wir einen Rikscha-Puller uns dorthin zu fahren. Wir passierten unzählige kleine Geschäfte und wurden mindestens 30-mal auf dem Weg

„What is your country?“

gefragt. Es stellt sich mit der Zeit nämlich raus, dass die Bangladeschis ein Repertoire an Standardfragen haben, mit denen sie die Bedeshi gerne konfrontieren. Ganz oben auf der Liste steht auf jeden Fall die Frage nach dem Land. Mein Aussehen schützt mich auch nicht davor für einen Japaner gehalten zu werden ;-) Germany ist aber auf jeden Fall eine Antwort mit der alle gut leben können. Die zweite Frage ist dann meist:

„Who many days Bangladesh?“

Aus diesem Grund beginne ich nun auch jeden meiner Blogeinträge mit dieser Frage, sie hat sich für Andrea und mich als Running-Gag etabliert.

Städtisches Leben in Old Dhaka

Nachdem uns der Rikscha-Puller an einem total anderen Ort als der Amenian Church abgesetzt hatte, haben wir uns entschieden nun auf eigene Faust Old Dhaka zu erkunden. Die Straßen sind zwar voll, aber da Freitag ist, können wir uns im Verhältnis sehr entspannt bewegen. Nachdem wir ein paar Bangladeschis nach der Armenian Church gefragt haben, waren zwei so nett uns dorthin zu bringen. Die Kirche ist wirklich sehr hübsch und innen hängen von der Decke Ventilatoren. Für mich, der Kirchen immer als Orte kennen gelernt hat, die tendenziell eher zu kalt als zu warm sind, war dieser Anblick total faszinierend. Nach kurzer Verweildauer in der Kirche haben wir uns dazu entschlossen noch ein wenig den Bezirk zu erkunden, da wir beide das muntere Treiben in den Straßen total genossen haben.

Die Armenian Church

Auf einmal kamen wir an einem Sportplatz vorbei. Wir fragten uns, wie die Kinder dort wohl reagieren würden, wenn wir ihn betreten. Der Reiz war aber großer als die Befürchtung, dass sogleich dreißig Kinder um uns herum stehen würden. Und es kam ganz anders als erwartet:

Zunächst waren alle sehr mit ihrem Cricket- oder Fußballspiel beschäftigt, so dass wir erst nach 1 oder 2 Minuten wirklich beachtet wurden. Die Kinder näherten sich uns sehr vorsichtig und konnten mit uns großen, weißhäutigen und blonden Menschen zunächst so gar nichts anfangen. Ein ca. zehnjähriger Junge kam mit einem Fußball dazu und ich deutete ihm an, er solle mir mal den Ball zuspielen. Daraufhin haben wir uns einige Male den Ball zugespielt und das Eis war gebrochen. Alle Kinder strahlten und der kleine Fußballer strahlte mindestens genauso wie ich, da wir gemeinsam Fußball gespielt haben.

Fußball auf dem Sportplatz

Nach dieser tollen Erfahrung sind wir noch ein wenig weiter geschlendert und haben uns dann in eine CNG fallen lassen die uns zurück zu unserer Wohnung nach Gulshan gebracht hat. Es war ein wunderschöner Ausflug mit bleibenden Eindrücken in das Alltagsleben in Dhaka!





Das Fahrrad als eines der wichtigsten Transportmittel


Am Freitag ist bedeutend weniger los: Ordentlich geparkte Fahrräder am Straßenrand